Sonntag, 25. Mai 2014

Comfortable Protest


Am 14.05.2014 besuchten wir mit unserem Kunstseminar „Erinnern und Vergessen“ geleitet von Ruppe Koselleck die Kunsthalle Osnabrück, die gerade die Ausstellung „WE, THE ENEMY“ präsentiert.
Wir sollten uns passend zum Seminarinhalt, zu einem freigewählten Kunstwerk der Ausstellung überlegen, was mit dem Werk passiert, wenn es ein Denkmal werden würde. Welche Botschaft würde es dann übermitteln?
Das Kunstwerk von Elena Artemenko „Comfortable Protest“ war meiner Kommilitonin Vicky Bargel und mir schon zuvor positiv aufgefallen und so wandelten wir dieses Werk in ein Denkmal um.

Eigene Skizze des Kunstwerks "Comfortable Protest"
Bereits das Aussehen erinnert an ein Denkmal, da es wie eine Skultpur oder Plastik auf einem Sockel im Raum bzw. Flur steht. Ein Oberkörper einer Schaufensterpuppe trägt einen sogenannten „multifunktionalen Protestrucksack“. Einen aufklappbaren Tisch, auf dem ein Rettungskoffer, Stifte und Lappen, ein Regenschirm und eine Protestmütze haften. Die Rückseite des Koffers ist als wiederverwendbares Plakat bzw. Whiteboard gedacht, auf das man mit den oben klebenden Stiften schreiben kann.
Für Vicky und mich war klar, dass so ein Denkmal an Aktivisten erinnern würde.
Vicky erkennt darin eine Erinnerung oder ein Gedenken an all die Leute, die auf die Straße gegangen sind und für ihre Meinung eingestanden haben (Hier zu lesen.)
Eigene Skizze des Kunstwerks "Comfortable Protest"

Für mich allerdings wäre es eine andere Art von Erinnerung...

Eine Erinnerung oder Mahnung an uns, wie wenig wir hier in Deutschland doch auf die Straße gehen, wie wenig wir für etwas einstehen, wie faul wir einfach sind. Dass jemand einen multifunktionalen Rucksack erfinden muss, um uns zu motivieren etwas zu verändern. Ein Rucksack, der uns ermöglicht sich während des Protest hinsetzen zu können, weil alles so stressig ist oder einen Regenschirm, damit wir bloß nicht nass werden.
Ein leichtgemachter Protest eben.
So zeigt der Rucksack auch, was für harmlose Demonstrationen wir hier führen, wenn der Regen das Schlimmste sein soll, was passieren kann.
All die Gefahren sind auf den kleinen Kasten begrenzt.

Das Werbevideo zu dem Rucksack, das auf russisch (und ironisch) gedreht ist und die  grelle Demonstranten-Mütze im Rucksack, erinnern an die aktuellen Demonstrationen in Russland
Pussy Riot. Photograph: Vanya Berezkin/Corbis/Artchronika magazine
bzw. an die Mützen der Punkrock-Band Pussy Riot und zeigen damit den Kontrast zu unseren Protesten.
Diese Aktivistinnen wurden für ihre Meinungsäußerung inhaftiert, ihnen drohten sogar sieben Jahre Haft. Uns drohen für Meinungsäußerungen keine Gefängnisstrafe und trotzdem scheint es zu mühselig was zu ändern.
Dieses Kunstwerk als Mahnmal betrachtet, erinnert gerade durch die Assoziation mit den Protesten in Russland daran, wie gut wir es hier haben, wie leicht wir versuchen könnten was zu ändern.
Doch stattdessen bleiben wir uns ganz unserem Motto treu:
Lieber meckern, statt ändern.